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Essen in England

Mahlzeiten im Hostel

Baked Beans und Ham

Nun zurück zum L.A.I.S.C.-Alltag: Lee Abbey ist eine der wenigen Hostels bei denen das Essen im Preis inbegriffen ist. Anfangs dachte ich es sei ein Vorteil, bis ich das Essen zum ersten Mal probiert hatte. Ein Zimmer ohne Verpflegung kann man bei Lee Abbey nicht mieten. Es gibt aber auch Ausnahmen. Wie meine Freundin Eva, sie ist gegen verschiedene Lebensmittel allergisch, und konnte mit Hilfe eines ärztlichen Attests dem Essen entkommen.
Für den Rest von uns gab es jeden Tag Frühstück und Abendessen, und an den Wochenenden zusätzlich noch Mittagessen. Das Essen war meist furchtbar, manchmal ungenießbar und dann gab es auch Tage da war es ganz o.k. Überwiegend war es aber scheußlich, und man konnte immer schon vorhersagen, was es an welchem Tag gab; z.B. gab es freitags immer Fisch und sonntags immer Hähnchen. Zum Frühstück gab es grundsätzlich hart gekochte Eier, drei verschiedene Sorten Cereal (Corn Flakes, Rice Crispies, usw.), Kaffee, Tee, Toast, gebackene Bohnen und abwechselnd Würstchen, Chicken Nuggets oder Fischstäbchen. Säfte, Bacon und Croissants gab es nur sonntags.

Zum Dinner wurde auch immer das Gleiche aufgetischt. Reis gab es jeden Tag und dazu einen abscheulichen Auflauf (die Aufläufe waren grundsätzlich scheußlich) oder ein Stück Fleisch bzw. Fisch. Kamen mal Kartoffeln auf den Tisch, dann immer nur mit Schale. In England ißt man die Schale mit, wegen der Vitamine, wie Thelma mir erklärte.

Sonntags gab es statt des Dinners den sogenannten "High Tea". Hauptunterschied zum Dinner: Statt um 6 Uhr fing High Tea schon um 5.30 Uhr an. Es war eine Art Buffet, und das gesamte Essen war kalt, ob es sich nun um Pommes, Reis mit Erbsen, Rosinen oder Mais handelte. Es war offensichtlich, daß es sich um Reste handelte. Dazu wurden ungenießbare salzige Kartoffelchips, Wurst und steinharte Brötchen gereicht. Die Essenzeiten waren natürlich festgelegt:

Montags bis Freitags:
Frühstück: 7:45 - 9:00 Uhr
Tea: 4:00 Uhr
Dinner: 6:00 - 7:00 Uhr

Samstags:
Frühstück: 7:45 - 9:00 Uhr
Lunch: 12:30 - 1:30 Uhr
Tea: 4:00 Uhr
Dinner: 6:00 - 7:00 Uhr

Sonntags:
Frühstück: 8:30 - 10:00 Uhr
Lunch: 1:00 - 2:00 Uhr
High Tea: 5:30 - 6:30 Uhr

Außerhalb dieser Essenszeiten gab es nur für Studenten mit späten Vorlesungen Essen, die sie sich am Anfang der Woche in die entsprechende Liste eingetragen hatten.
Ich habe gleich an meinem zweiten Sonntag verschlafen, und kam zu spät zum Frühstück. Ich bekam nur noch etwas von den Resten, einen harten, kalten Toast und ein Glas Orangensaft.

Getränke gab es zum Dinner nur sehr selten, meist nur Leitungswasser. Mich hat sehr gestört, daß zum Essen ausschließlich Pappteller und Pappbecher benutzt wurden. Aus Umweltschutzgründen sollte man den Abwasch in Kauf nehmen, auch bei Lee Abbey. Das L.A.I.S.C-Küchenteam hat sich so den Abwasch erspart. Das Besteck, das komischerweise nicht aus Plastik war, wurde auch nicht richtig abgewaschen. Ich erinnere mich noch gut daran, daß einmal beim Essen jemand erzählte, er habe zufällig gesehen, daß kein Spülmittel verwendet, sondern alles nur unter den Wasserhahn gehalten würde. Da wir Lee Abbey zu dem Zeitpunkt alle schon gut kannten, schien das gar nicht so weit hergeholt zu sein, wie es klingt.

Im Keller vom L.A.I.S.C. befanden sich zwei Fernsehräume, was sehr praktisch ist, da es in England vier Programme gibt (ohne die Kabelprogramme die Lee Abbey nicht hatte). Es lief nach dem Muster, wer zuerst da war, konnte das Programm aussuchen. Ich habe nicht oft fern gesehen, nur montags regelmäßig die US-Serie "The wonder years". Es fing damals um 6.30 Uhr an, wenn die meisten noch beim Essen waren, und die Zeit war günstig, um einen freien Fernsehraum zu erwischen.

Ein Raum zum Wäschewaschen (Laundry Room) war selbstverständlich auch vorhanden. Dort gab es zwei Waschmaschinen, zwei tumble dryer und einen spin dryer. Waschpulver mußte man sich selbst besorgen, und um die Waschmaschinen und Trockner benutzen zu können, mußte man sich Münzen an der Rezeption kaufen. Die Preise waren etwas günstiger, als die in den Laundrettes der öffentlichen Waschsalons. Allerdings war der L.A.I.S.C. Waschraum auch nur zu bestimmten Zeiten geöffnet.

Lee Abbey hatte außerdem eine "Coffee Bar", die unglaublicherweise eine ganze Stunde pro Tag geöffnet hatte. Die Coffee Bar war ein winziger Raum wo man Süßigkeiten, Eis und Getränke kaufen konnte (aber nur zwischen 7 und 8 Uhr abends), begleitet von lauter Musik. Ich bin mir sicher, daß sie nur eine Kassette zu Verfügung hatten, es lief jeden Tag die gleiche Musik. Mein Zimmer befand sich genau über der Coffee-Bar und ich konnte alles in voller Lautstärke miterleben.

Für diejenigen, die sich das L.A.I.S.C.-Essen nicht antun wollten oder zwischendurch etwas kochen wollten, existierte noch eine Küche, die Residents´ Kitchen. Ich war nur einmal drin, das hat aber auch gereicht. Jeder stellte dort seine schon halb vergammelten Lebensmittel ab, und nicht jeder der dort kochte, spülte anschließend das Geschirr ab. Dementsprechend sah es dort aus.

Zu besonderen Anlässen wie Weihnachten, Ostern oder Welcomes Week (wenn die neuen Studenten im September ankommen), wird bei Lee Abbey immer ein "besonderes Programm" angeboten. In der Welcomes Week sind das kurze Spaziergänge oder Tanzabende. Weihnachten und Ostern war ich nie dabei, aber ich weiß von Freunden, daß es dann besonderes Essen gibt. Das heißt, das Essen sei dann nicht nur eßbar sondern wirklich gut. Das bedeutet, daß das L.A.I.S.C. Küchenteam entgegen der allgemeinen Erwartungen, doch kochen kann. Ostern wurden im Garten Eier versteckt, und jeder konnte behalten, was er fand. Sonst fand nicht viel statt.

SG

jt

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