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Basisübungen und Warm-Ups

Illusionen und sonstige Techniken

Eine Menge Spaß

Ich habe mich sehr auf den ersten Term gefreut, Pantomime hatte mich schon eine ganze Weile begeistert. Aus diesem Grund wollte ich es auch lernen. Es war gar nicht leicht eine Schule zu finden, die etwas in dieser Richtung anbietet.
Die meisten Schauspielschulen behandeln Pantomime nur kurz zwischendurch, wenn überhaupt. Ich habe mich vor der Zeit in London in Deutschland zweimal zu einem Wochenend-Workshop angemeldet. Beide Male wurde der Workshop wegen mangelndem Interesse abgesagt. Ich war also richtig gespannt, besonders die Illusionen haben mich fasziniert.

Mein Foundation-Course war ein typischer internationaler Kurs. Es waren Leute aus Australien, Frankreich, Brasilien, England, Deutschland, Japan, Schweden, Kanada, Italien und Spanien dabei. Einige lebten schon länger in London. Andere sind wie ich, nur wegen der Schule nach London gekommen.

Am ersten Tag haben wir mit Spielen angefangen, um uns erst einmal alle kennenzulernen. Zum größten Teil waren es Spiele, bei denen die Namen ein Rolle spielten, und wir erzählten von uns, zum Beispiel warum wir uns entschieden hatten, die Schule zu besuchen.

Ab dem zweiten Tag ist alles immer gleich abgelaufen. Wir fingen jeden Tag mit Warm-Ups (Aufwärmübungen) an, und wir führten festgelegte gymnastische Übungen durch, die sich jede Woche wiederholten. Eine Übung war jeden Tag dran, das Laufen. Die Laufzeit wurde jeden Tag ein bißchen gesteigert. Am Ende des zweiten Terms waren wir bei zehn Minuten. Die Gesamtdauer der Übungen war immer etwas über eine Stunde, danach folgten die Techniken.

Wir fingen logischerweise mit einfachen Sachen an, dazu gehören die Illusion-Techniques, wie zum Beispiel heben, ziehen, drücken und das Arbeiten mit den "unsichtbaren" Gegenständen. Die Sachen dürfen für den Schauspieler, den Pantomimen, natürlich nicht unsichtbar sein, denn wenn ich schon nicht sehe was ich tue, kann ich es dem Zuschauer niemals vermitteln. Zu den Illusions gehören unter anderem das Entlanggehen an der Mauer, das Aufheben eines schweren Koffers, öffnen und schließen von Türen und Fenstern, der Seiltänzer und der Roboter.

"Benutzt diese Illusionen nur wenn es unbedingt nötig ist" hat Desmond uns von Anfang an eingetrichtert. Er ist kein Freund von Straßenkünstlern, die an Mauern entlanggehen, und Leitern hochklettern. Ich war und bin da anderer Meinung. Mir gefallen gerade die Illusions sehr gut und man hat viele Möglichkeiten damit etwas darzustellen.

Trotzdem hat Desmond uns am Anfang, die Techniken vorgeführt und beigebracht (für diese Notfälle bei denen man die Illusionen unbedingt braucht). Wir konnten die Illusionen selbst ausprobieren und damit experimentieren, erst alleine dann mit einem Partner zusammen. Desmond und seine freiwilligen Assistenten gingen rum und verbesserten uns, wenn wir etwas falsch machten. Die Illusionen zu lernen, ist nicht so leicht wie es aussieht. Es gehört viel Kraft und Körperbeherrschung dazu, und es kommt vor allem auf Präzision an. Deshalb auch die täglichen Übungen und das Laufen.

Nach ungefähr einer Stunde Technik war eine Pause, zum Rauchen (war in der Halle verboten), Kaffeetrinken, Quatschen und zum Notizen machen. Wer Kaffee wollte konnte für ein Pfund die Woche jeden Tag einen Kaffee und Kekse bekommen.
Nach der Pause war regelmäßig Impro-Time. Impro ist die Abkürzung von Improvisation. Wir teilten uns in Gruppen von vier oder fünf Leuten und Desmond gab uns ein Thema; das waren unter anderem Warten, die Entstehung der Erde, oder die Aufgabe das Publikum zu frustrieren. Es kamen immer sehr verschiedene Stücke dabei raus, da jede Gruppe es anders interpretierte, und andere Ideen hatte. Aber nicht immer gab es ein bestimmtes Thema, wir sollten einmal etwas zusammenstellen, und keiner durfte "Nein" sagen. Jeder ausgesprochene Vorschlag mußte verwendet werden, keiner in der Gruppe durfte sagen, daß machen wir nicht. In meiner Gruppe sagte Richard sofort: "Stewart und ich sind schwule Polizisten." Worauf Stewart automatisch erwiderte "Nein", und nach kurzer Überlegung: "Ich meine natürlich ja" hinzufügte.

Das war zu komisch, für mich eine der schönsten Impros. Wir hatten für jede Impro 30 Minuten, Zeit um etwas auszuarbeiten, und zum Abschluß des (Schul-)Tages wurde alles vorgeführt. Nach jedem der Stücke fand eine kurze Diskussion statt. Ob das gerade gesehene gut oder nicht gut war, und warum es gut oder nicht so toll war. Dieses kurze Gespräch sollte uns helfen Fehler zu erkennen und zu vermeiden, auszuprobieren und zu sehen ob es funktioniert sowie Kritik zu ertragen und zu erteilen.

Es gab noch eine andere Impro Form: Desmond schickte zwei oder mehr Freiwillige nach vorne (die Bühne haben wir wegen der schlechten Akustik fast nie benutzt), gab ein Thema und die Volunteers mußten das Beste daraus machen, ohne Vorbereitungszeit. Der Rest sah es sich an, und es folgte ebenfalls ein kurzes Gespräch über das Gesehene.

In den ersten Wochen durften wir bei den Impros nicht sprechen, später war es uns dann freigestellt, ob wir mit oder ohne Worte arbeiten wollten.
Eine ganz andere spaßige Sache: Wie gebe ich jemandem auf der Bühne eine schallende Ohrfeige, die täuschend echt aussieht, ohne die betreffende Person zu berühren? Ganz einfach: Stuntfighting! Wir haben uns gegenseitig mit voller Wucht auf die Füße getreten, an den Haaren und Ohren gezogen, ins Gesicht geschlagen und getreten und uns sogar gegen die Wand geknallt. Die Schmerzen waren nur gespielt, wie das funktioniert sieht man nur, wenn es schlecht ausgeführt wird.

Der erste Term war super, wir haben jeden Tag etwas neues gemacht, viel ausprobiert und gesehen. Vor allem haben wir viel mit den Illusionen gearbeitet, und das war ganz nach meinem Geschmack. Im Gegensatz zum zweiten Term gab es viel Abwechslung, da wir alles nur kurz angeschnitten haben.
Der erste Term war ein Überblick was alles möglich ist. Die restlichen drei Terms waren dazu da um auf alles, oder besser gesagt alles worauf Desmond Wert legt, nochmal genauer einzugehen. Die Dinge, die wir im ersten Kurs ausprobieren, sind die am Anfang dieses Kapitels aufgezählten Sachen aus der Zeitungsanzeige.

Am Ende des ersten Kurses haben wir einen Morgen gelernt die "White Face" Schminke aufzutragen. Ist man dabei nicht sorgfältig oder macht es falsch sieht es fürchterlich aus. Die Aktion wurde zu einer lustigen Sauerei, besonders als wir die Augen und Lippen schminkten. Wir haben witzige Gruppenfotos gemacht, und ausprobiert, wie die Masken von weitem wirken.
Leider sind die Abzüge von den Fotos die ich bekommen sollte verloren gegangen. Bei White Face gilt übrigens die Regel, es wird nicht gesprochen. Ich meine wenn man damit auftritt, wir waren nicht etwa den ganzen Morgen sprachlos!

SG

jt

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