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Besuch bei Ciramis Familie

Bei Immigranten in London

Ein Wochenendausflug

Die meiste Zeit habe ich mit Cirami verbracht, auch wenn wir nicht weggingen. Mit Cirami konnte ich immer über alles reden, da ich wußte, sie versteht mich. Das war mir wichtig, da ich bis jetzt in meinem Leben noch nicht viele Menschen getroffen habe, die versucht haben, meine "verrückten" Pläne und Ideen zu verstehen.

An einem Wochenende hat Cirami Yan und mich mitgenommen zu ihren Verwandten nach Surbiton (ein Vorort von London). Wir sind an einem Samstagmorgen losgefahren, ihre Verwandten waren sehr nett, es machte ihnen nichts aus, daß Cirami noch zwei Freundinnen mitgebracht hat. Wir haben uns morgens erst mal Kingston angesehen, es war eigentlich mehr Shopping, obwohl ich nichts gekauft habe. Aber Yan war ständig auf der Suche nach billigen Schnäppchen. Sie konnte an keinem Secondhandladen vorbeigehen, ohne etwas zu kaufen.

Yan und ich haben Cirami´s Tante Blumen gekauft, zum Dank für ihre Gastfreundschaft. Am selben Nachmittag haben wir dann noch einen anderen Onkel von Cirami besucht. Das war gar nicht leicht, da Cirami nicht genau den Namen der Straße wußte, wo Onkel und Tante wohnten. Der Busfahrer muß gedacht haben, wir haben sie nicht mehr alle, weil wir lauter Straßen aufzählten die es nicht gab. Schließlich haben wir das Haus doch noch gefunden, und der andere Onkel und seine Frau waren auch sehr nett. Und nachdem sie uns mit Kuchen, Chips und Saft gefüttert hatten, haben wir einen Spaziergang mit dem Hund der Nachbarn, Mark und Mandy (die US-Serie "Mork vom Ork" heißt im Original "Mork and Mindy"), gemacht.
Als der Park geschlossen wurde, haben uns Cirami´s Onkel und Tante gezeigt, durch welche demolierten Zäune man gehen kann wenn alle Tore abgeschlossen sind. Wir sind bis zum Abend dort geblieben, und weil es schon dunkel war, brachten die beiden uns mit dem Auto wieder zurück. Bei der Tante, wo wir übernachteten gab es zum Abendessen kleine gebratene Hähnchenstücke und dazu diverse Gemüsebeilagen. Endlich mal wieder eine Abwechslung zum eintönigen Essen im L.A.I.S.C. Am Abend sind wir dann nicht mehr weg gegangen, wir haben Cirami´s Tante noch beim Abwasch geholfen.

Wir Drei haben auf dem Dachboden geschlafen, die Decke dort war so niedrig, daß man teilweise auf allen vieren krabbeln mußte. Yan ist ziemlich schnell eingeschlafen, aber Cirami und ich waren fast die ganze Nacht auf. Wir haben noch mit ihrem Cousin Azlan erzählt, und uns blöde Witze aus einem Witzbuch vorgelesen. Azlan hatte in der darauffolgenden Woche Geburtstag. Es war sein 16. Geburtstag, aber sein Vater erlaubte ihm keine Party. Er war verständlicherweise sehr enttäuscht, und wir haben überlegt, ob uns etwas einfällt was er sonst noch unternehmen könnte. Es ist uns aber auch nichts passendes eingefallen.

Am Sonntagmorgen gab es zum Frühstück etwas, was ich vorher noch nie gegessen hatte. Es war ein Suppe, auf die verschiedene Gewürze kamen. Cirami´s Tante wollte mir Eier und Speck machen, da sie meinte, daß ich als Europäerin nicht an so etwas gewöhnt war, aber ich habe mich entschlossen, dieses Gericht zu probieren. Man soll ja neuen Dingen gegenüber immer aufgeschlossen sein, und ich wollte auch keine Umstände machen. Es hat sich gelohnt, diese Suppe hat toll geschmeckt, es war eine Art Reissuppe mit sehr viel Reis. Nur auf das ganz scharfe Gewürz habe ich verzichtet. Nach dem Frühstück haben wir mit Cirami´s kleinem Cousin Imran den Film "Super Mario Brothers" gesehen. Der Film war zwar fürchterlich, aber dem Kleinen schien er sehr zu gefallen.

Auf dem Heimweg sind wir bei dem Schloß vorbeigefahren wo Henry VIII gelebt hatte. Das war der, mit den vielen Ehefrauen, von denen er einige umbringen ließ. Ich bin nicht unbedingt ein Museums- und Besichtigungs-Fan im Gegensatz zu Yan die sich alles angesehen hat. Als ich feststellte, daß der Eintritt 5 Pfund (ca. 12,50 DM) kostet habe ich gestreikt. Das war mir zuviel für ein altes Schloß. Ich habe den beiden anderen vorgeschlagen, alleine reinzugehen, das wollten sie aber auch nicht. Wir haben uns dann nur den Souvenirshop angesehen, bevor wir zurückkehrten zum Lee Abbey Alltag.
Kurz nach diesem Wochenend-Trip hat Yan sich von einer guten Freundin in eine flüchtige Bekannte verändert. Manchmal war sie freundlich und nett, und am nächsten Tag ging sie an einem vorbei als hätten wir uns nie zuvor gesehen.

SG

jt

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