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Kulturelle Kenntnisse helfen Arbeitswelten verstehen

Globalisierung macht interkulturelle Erfahrungen nötig

Ein Ausflug in der Clique

Einmal haben wir uns noch getroffen: zum chinesischen Neujahr am 9.2.! (Das chinesische Neujahr ist immer Ende Januar oder Anfang Februar) Ich habe nur durch Zufall erfahren das Yan, Gloria & Co. etwas geplant hatten, und weil ich Yan direkt darauf angesprochen habe, konnte sie nicht anderes als Cirami und mich auch zu fragen, ob wir mitkommen wollten. Joseph hatte in dem Lokal indem er arbeitete ein Essen arrangiert.

Joseph war eine seltsame Nummer, eine richtige Nervensäge. Als er aus Singapur ankam, konnte er noch nicht in sein Zimmer. Sweetlee, Cirami und ich waren auf dem Weg zur Oxford Street und er kam einfach mit. Die ganze Zeit dackelte er uns treu-doof hinterher. Als wir ihn einmal kurz abschüttelten ging er fast verloren, er kannte sich noch nicht aus in London. Außer seiner penetranten, aufdringlichen Art störte mich auch sein ungepflegtes Äußeres. Er lief rum, als würde er sich nie die Haare waschen, und wenn man ihm etwas anbot mußte man aufpassen, daß er nicht alles wegfraß. Ich habe ihn ab und zu gerne aus Spaß aufgezogen, obwohl ich den Bogen schon mal etwas überspannte. Das ich zum Beispiel alle zu meinem Geburtstag einlud, nur ihn nicht, obwohl er auch dabei stand, war ganz schön gemein.
Aber da aus der Geburtstagsfeier sowieso nichts wurde, spielte es keine Rolle mehr. Als ich einen Tag von High Street Kensington nach Hause kam, folgte Joseph mir. Er muß schon mindestens zehn Minuten hinter mir hergelaufen sein, bevor ich ihn zufällig bemerkte. Als ich ihn fragte, warum er mich nicht angesprochen hat als er mich sah, erwiderte er, er wolle mich nicht stören. Cirami und Vedna ist er auch öfter auf dem Weg zum College hinterhergetrottet. Das war eben Joseph. Mit der Zeit gewöhnte man sich an ihn.

Das chinesische Neujahrsessen war aber wirklich toll, ein Essen mit sechs Gängen, nur weil wir so eine große Gruppe waren (ca. 25 Leute) dauerte alles sehr lange. Gleich am Anfang fehlte noch jemand, er ist auf dem Weg von der U-Bahn Station zum Restaurant verloren gegangen. Bis er schließlich gefunden wurde und das Essen kam vergingen 45 Minuten, und dann waren zwischen jedem Gang 20 Minuten Pause. So gegen 11 Uhr kam dann plötzlich alles auf einmal, und man wußte nicht was man zuerst essen sollte.

Zwischen den einzelnen Gängen haben wir aus Langeweile Zitronenstücke oder Fleischreste auf der Warmhalteplatte gegrillt. Außer dem Essen gab es an diesem Tag des Chinese New Year keine Party und auch kein Feuerwerk. Dafür fand aber am Wochenende danach eine Parade mit den chinesischen Drachen (oder Löwen) statt. Das war für mich das eigentliche Fest.

SG

jt

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