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Vorstellungsgespräch in der Großgruppe

Standardisierte Bewerbungsbögen als Methode

Nur die Besten der Besten für das Beste

Ein Kino suchte gerade einen Customer Service Assistant. Am nächsten Tag war ein "Open Interview" zu dem ich hinging. Es waren 15 bis 20 Leute da. Jeder Bewerber mußte zuerst einen Bewerbungsbogen ausfüllen. Diese Bogen sehen immer gleich aus, und unterscheiden sich nicht von deutschen Bewerbungsbögen.

Nach einer kurzen Weile kam die, für dieses Interview zuständige, Managerin, Ms. English. Sie stellte kurz sich und eine Kollegin, die ihr behilflich war, vor. Dann hielt sie eine Art Ansprache, diese fing an mit: "Wir beim Odeon betrachten uns als die Besten, und aus diesem Grund stellen wir auch nur die Besten ein. Wir legen sehr viel Wert auf Pünktlichkeit, und wer Probleme hat, pünktlich zu sein der sollte sofort wieder gehen." Dasselbe galt auch für die Arbeitszeit, es wurde jemand gesucht der Abends und an den Wochenenden arbeitet, Freitags und Samstags bis ein Uhr nachts. Wer das nicht konnte oder wollte sollte gehen.
Es ging niemand. Ms. English erzählte noch was man als Customer Service Assistant zu tun hatte, das für´s erste nur jemand für zwei Monate eingestellt würde, und wieviel man pro Stunde bekommen würde. (Dafür, daß sie nur die Besten wollten, war die Bezahlung ziemlich mies). Ein Customer Service Assistant muß alles machen: Platzanweiser, Gäste begrüßen / verabschieden, Säle sauber machen, usw. Ms. English kam wieder darauf zurück, daß das Odeon das beste Kino ist (in den Träumen der Manager ganz bestimmt!). Aber nicht nur, daß sie die Besten sind, nein dieses Odeon war noch besser als die übrigen Besten, weil es das Odeon Leicester Square ist, und deshalb ein Vorbild für die anderen Odeons. Also sozusagen das Super-Beste unter den Besten.

Nach diesem Vortrag hatte jeder Bewerber ein kurzes Gespräch mit Ms. English oder ihrer Kollegin. In dem Gespräch wurden erst Fragen aufgrund des Bewerbungsbogens gestellt. Ein kurzes Beispiel: Man trägt ein, welche Schulen man besucht hat, und wird dann gefragt ob man auch wirklich zu dieser Schule gegangen ist.
Danach wurden mir noch andere Fragen gestellt, z. B. ob ich Probleme damit hätte fünfmal am Tag den gleichen Film zu sehen (es ist in England üblich das die Platzanweiser während der Vorstellung im Saal bleiben), ob es mir etwas ausmacht in einem vollen Kino vor allen Leuten ein paar Worte zu sagen und was man macht, wenn in einem vollen Kino jemand ohnmächtig wird. Die Fragen habe ich dann zur allgemeinen Zufriedenheit beantwortet, nur eins hat sie gestört: Ich hatte keine National Insurance Number.

SG

jt

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