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Flexibilität wird immer wichtiger in der Arbeitswelt

Ein Vorstellungsgespräch beim Cannon Cinema

Zwischen Hoffnung und Verzweiflung

Als sich mein zweiter Term an der Desmond Jones School of Mime dem Ende näherte, habe ich überlegt, ob es eine Möglichkeit gibt in London zu bleiben. Den dritten Term hätte ich mir finanziell nicht mehr leisten können.

Denn das hätte drei weitere Monate im teuren London bedeutet, und daß mit kaum eigenen Einkünften. Meine Ersparnisse waren schon erheblich zusammengeschrumpft, als mir zufällig eine Zeitungsanzeige in die Hände fiel, in der ein/e Trainee Manager/ess gesucht wurde. Ich beschloß, mein Glück bei einem Full Time Job zu versuchen. Schon eine Woche nach meiner Bewerbung bekam ich eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch. Den Termin sollte ich noch telefonisch bestätigen.

Das Interview fand in Streatham statt, einem Vorort von London, der nicht mehr im Netz des Londoner Undergrounds liegt. Ich mußte mit der British Rail hinfahren.

Das Cannon Cinema, in dem ich mich vorstellte war schon sehr alt. Mindestens genauso alt war die Frau, die an der Kasse saß. Der General Manager, Patrick Stewart, hatte ein winziges Büro, daß er sich mit seinem Stellvertreter teilte.

Nach den üblichen Begrüßungsfloskeln und etwas Small Talk, erzählte Mr. Stewart mir von den Überfällen in Streatham. Es war in der letzten Zeit dort zu einigen Raubüberfällen gekommen, und auch das Cannon Cinema war davon nicht verschont geblieben. Er zeigte mir einen Zeitungsartikel darüber. Patrick Stewart erklärte mir, daß er mir das lieber gleich sagen wollte, falls es mir unter diesen Umständen zu gefährlich erschien, in dieser Gegend zu arbeiten. Ich fand es zwar nicht toll, aber direkt Angst machte es mir auch nicht.

Nachdem ich diesen Test bestanden hatte, folgte schon der nächste: Die Arbeitszeiten im Kino! Man muß natürlich arbeiten wenn alle anderen frei haben, am Wochenende und an Feiertagen. Man kann auch nicht pünktlich um fünf Uhr den Bleistift zur Seite legen und nach Hause gehen. Patrick Stewart war es wichtig klarzustellen, daß man unabhängig sein sollte. Ortsgebunden sollte man auch nicht sein, es war sehr wahrscheinlich, daß man nach der Traineezeit in ein anderes Kino irgendwo in England versetzt werden würde. Ich wurde mehrmals gefragt, ob ich mir darüber im Klaren sei. Mir war das schon klar, obwohl ich mir eigentlich noch nie Gedanken darüber gemacht hatte.

Als nächstes kamen wir zu einem anderen "heiklen" Punkt. In der Anzeige stand unter anderem, daß jemand mit Erfahrung beim Beaufsichtigen von Mitarbeitern gesucht wurde. Ich mit meinen gerade 22, und nur einer abgeschlossenen Ausbildung, konnte da noch nichts vorweisen. Der General Manager fragte mich, ob es für mich ein Problem wäre, sehr viel älteren Mitarbeitern Anweisungen zu geben. Damit spielte er auf die Dame unten an der Kasse an, sie war schon weit über das Pensionsalter raus, aber wurde trotzdem weiterbeschäftigt. Ich sagte ihm, das sei kein Problem.

Ich hatte dann noch die Gelegenheit, einige Fragen zu stellen. Zum Abschluß des Gespräches sagte Mr Stewart, daß ich mich ganz gut geschlagen hatte, und daß es nicht tragisch wäre, daß ich noch keine Erfahrung mit der Beaufsichtigung von Mitarbeitern hatte. Das hatte zu dem Zeitpunkt noch keiner vorweisen können.

Für den Fall, daß ich in die engere Auswahl kommen sollte, müßte ich noch mal zu einem Interview kommen, zu Patrick Stewart´s Vorgesetztem. Stewart´s Job war es nur, in Erfahrung zu bringen wer den Job machen könnte, und sein Boss würde entscheiden, wer den Job am Besten erledigen könnte. Als Tip erwähnte er noch, daß sein Vorgesetzter ein Typ der alten Schule ist, der es gerne sieht wenn Frauen im Rock erscheinen.

Das gefiel mir gar nicht, aber das behielt ich für mich und erwiderte nur, daß ich keinen Rock besitze. Mr. Stewart sagte es wäre eine gute Idee, einen zu organisieren. Ich dachte ich habe eventuell eine Chance auf die Stelle, und verkniff mir zu erwähnen, daß ich mir nur sehr ungern vorschreiben lasse, was ich anziehen soll. Na ja egal, aus dem zweiten Vorstellungsgespräch wurde sowieso nichts, denn es fand sich doch noch ein Bewerber mit besseren Qualifikationen und Erfahrung beim Beaufsichtigen von Mitarbeitern. Obwohl Patrick Stewart mir Hoffnungen machte, daß ich gute Chancen hätte, in die engere Auswahl zu kommen, kam eine knappe Woche später die Absage. Damit war auch die Chance vertan weiter in London zu bleiben, nun mußte ich offiziell zurück.

Nach der Pleite bei den Theatern, ist mir endlich klar geworden ( besser spät als nie), daß es nicht klappt wie ich mir das vorgestellt hatte. Ich war dann, wenn auch nur sehr ungern, bereit auch eine andere Arbeit anzunehmen.

SG

jt

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