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Ein Vorstellungsgespräch kurz vor Schluss
Das direkte Anschreiben beeindruckt Arbeitgeber
Am Ende nochmal die Chance
Kurz vor Ende meines Aufenthalts hatte ich noch ein überraschendes Interview, mit dem ich überhaupt nicht mehr gerechnet hätte.
Eine Woche vor meiner Abreise hatte ich Geburtstag. In dem Stapel Geburtstagspost war auch ein Brief von den Warner Bros. Theatres (UK) Ltd. Auf der kleinen handgeschriebenen Notiz stand, daß ich am 14. April, dem Tag nach meinem Geburtstag, zu einem Interview vorbeikommen sollte.
Die moderne Tontechnik hatte mich in diesem Kino begeistert, als ich mir dort zum erstenmal einen Film angesehen habe. Es war das erste Mal, daß ich im Kino das Gefühl hatte die Hubschrauber ziehen ihre Kreise um mich herum und nicht auf der Leinwand.
Da auf der Notiz, keine Uhrzeit angegeben war, fuhr ich am nächsten Morgen zum Leicester Square und suchte Mr. Lee, den General Manager des Kinos auf. Ich wußte nicht, was ich zu erwarten hatte und war deshalb sehr gespannt. Das Gespräch war kurz, allerdings nicht so kurz wie das bei McDonald´s, Mr. Lee sagte mir, ich könnte bei ihm anfangen. Es hat ihn sehr beeindruckt, daß ich mich schriftlich beworben habe (das hätte mir mal jemand früher sagen sollen). Die anderen drei Mal als ich dort persönlich nach einem Job fragte, hieß es immer nur, wir brauchen zur Zeit niemanden.
Jetzt war ich total verwirrt. Sechs Monate lang hatte ich auf so eine Gelegenheit gewartet und plötzlich, eine Woche vor meiner endgültigen Rückreise, bekomme ich sie angeboten. Nach dem Interview bin ziellos durch London gelaufen und habe überlegt was ich nun tun sollte. Aber egal wie ich es auch drehte und wendete, mir war klar, daß ich zuwenig verdienen würde, um in London zu bleiben. Vier Pfund die Stunde waren schon guter Durchschnitt, aber immer noch zu wenig zum leben.
Es wurden zwar Aufstiegschancen geboten, aber dafür müßte ich erst jede Abteilung durchlaufen. Laut Mr. Lee hätte das ungefähr ein Jahr gedauert. Für einen Student der nebenbei arbeitet, ist so ein Job nicht schlecht, aber als Hauptberuf ist Platzanweiser, glaube ich nicht das Richtige. Ich bin auch nicht geeignet, um mich vom Tellerwäscher zum Millionär hochzuarbeiten, dazu bin ich viel zu ungeduldig.
Wenigstens konnte ich mit dem Gefühl nach Hause fliegen, es geschafft zu haben, diese ganze Arbeit, das Bewerbungen schreiben, das so sinnlos erschien, war doch nicht ganz umsonst gewesen.
SG
jt
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