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Musicals und Theater

London die Stadt der Musicals

Große Shows und kleine Theater

Wer in London ist, sollte sich unbedingt eine der vielen Shows, Komödien, Musicals oder Theaterstücke ansehen. Die Theaterprogramme stehen auch im TIME OUT. Außerdem gibt es einen kostenlosen Theatre Guide, der in vielen Hotels und öffentlichen Einrichtungen ausliegt.

"Joseph and the amazing technicolor dreamcoat" war die erste Show die ich in London gesehen habe. Zuerst war ich mir gar nicht sicher, ob ich es mir überhaupt ansehen sollte, da ich gehört habe das es sich bei diesem Musical um eine Bibelgeschichte handelt. Aber die Geschichte von Jacob und seinem Lieblingssohn Joseph, der von seinen Brüdern als Sklave verkauft wird, wird in diesem Musical modern und ganz witzig dargestellt.

Hinterher war ich doch froh, daß ich es mir angesehen habe. Die Tickets haben wir (Cirami und ich) zwei Wochen vorher gekauft. Unser Geld reichte zwar nur für Sitze weit hinten, aber trotzdem war es ein unvergeßlicher Abend, und das nicht nur weil uns die Aufführung gefallen hat. Wir saßen neben zwei verrückten Fans des Musicals. Die beiden dickeren Ladies trugen T-shirts und Baseball Caps mit dem "Joseph" Emblem und breiteten schon vor Beginn sämtliche Poster überall aus.
Als der Vorhang hochging und die Show anfing, flippten die beiden erst richtig aus. Sie kreischten, klatschten, schrien und sangen teilweise auch noch laut mit. Es kam noch besser als Joseph-Darsteller Jason Donovan den Text: "I don´t believe in free love" (Ich glaube nicht an freie Liebe) sang, schrie einer der beiden verrückten Ladies so laut das sich das halbe London Palladium zu ihr umdrehte "We´ll pay"; wir bezahlen. Cirami die direkt neben den beiden saß war das schon richtig peinlich. Sie fragte mich ein dutzend Mal, warum müssen ausgerechnet wir neben diesen Verrückten sitzen? Später haben wir uns darüber totgelacht.

Als nächstes habe ich mir zusammen mit Eva und Cirami das Rollerskatemusical "Starlight Express" angesehen. Dort verlief alles ohne Zwischenfälle und verrückte Fans. "Starlight Express" die Geschichte vom Rennen der Züge läuft bereits seit Langem in London, und ist damit das Musical, daß am zweitlängsten in der britischen Theatergeschichte läuft. Da es schon so lange aufgeführt wird, wurde im letzten Jahr einiges geändert, es wurde neu choreographiert und mit neuen Songs aufpoliert, einige alte Songs wurden dafür rausgeschmissen.

"Longest running Musical" in London ist "Cats", wie "Starlight Express", und "Joseph" auch von Erfolgskomponist Andrew Lloyd Webber, das seit 1981 im New London Theatre lief und erst unlängst abgesetzt wurde. Für Shows, die schon so lange laufen, bekommt man leicht Karten, mit etwas Glück sogar noch für den selben Tag. Aber an Feiertagen und in Ferienzeiten sind auch dort schwer Karten zu bekommen. Ich hatte bei "Cats" Glück und habe noch eine Karte für den selben Abend ergattert.

Bei "Grease" sah es da schon schlechter aus. Dieses populäre Musical war damals noch recht neu und über Monate hin ausverkauft. Aufgrund der Popularität war es aber möglich, täglich Stehplatzkarten zu erhalten. Diese Karten kosten 10 Pfund, und man sieht besser, als von den hintersten Sitzplätzen. Ich habe keine Sitzplatzkarte mehr erwischt, zumindest nicht für eine Vorstellung mit Debbie Gibson, die nur bis April in dem Musical mitspielte. Ich habe mich dafür entschieden, mir "Grease", das viele bestimmt durch die Verfilmung mit Olivia Newton-John und John Travolta kennen, im Stehen anzusehen, und es war toll. Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Es war auch nicht so schmalzig wie die Verfilmung.

Außer den großen bekannten Shows und Theaterstücken gibt es auch noch sehr viele kleine weniger bekannte. Das bedeutet allerdings nicht, daß sie schlechter sind als die großen Shows. Viele der kleineren Stücke sind sogar besser. Durch den Besuch der Desmond Jones School of Mime habe ich viele kleine Stücke gesehen. Desmond hat uns immer geraten, uns alles anzusehen.

Ich habe, welche Überraschung, fast ausschließlich Theaterstücke gesehen, die in irgendeiner Form mit Pantomime zu tun hatten. Sehr gut gefallen hat mir MTP (Mime Theatre Project). Dieses Ensemble, bestehend aus drei Männern; hat vor einigen Jahren einen Überraschungserfolg im West End mit seiner Fassung von "The Thunderbirds" gelandet. Ich habe MTP in einer Parodie auf den MGM Film "The three Musketeers" gesehen. Die drei arbeiteten mit einem minimalen Aufwand an Requisiten und übernahmen alle Rollen, auch die weiblichen. Sie wechselten ständig die Rollen; es war zum Totlachen.

In London steigt jedes Jahr ein Mime Festival; dann werden vier Wochen lang die verschiedensten Stücke aufgeführt mit Künstlern aus aller Welt. Oft sind sehr gute Sachen dabei.

SG

jt

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